gut genug reicht völlig aus

gut genug reicht völlig aus

Versucht bitte erst gar nicht, eine Super-Mami / ein Super-Papi zu werden. Bleibt lieber authentisch, Fehler gehören zum Leben und auch zur Erziehung dazu.

Es muss und sollte auch nicht immer alles perfekt sein. Erst einmal setzt ihr euch unweigerlich unter Druck um allem – vor allem dem eigenem Anspruch – gerecht zu werden. Kinder brauchen das echte authentische Leben und keine künstliche „Glocke“, in der alle Unwägsamkeiten und Konflikte von ihnen fern gehalten werden.


(Ehe-)Partner, Geliebte und Geliebter, Freund / Freundin, Berufstätige, Kind bez. Schwiegerkind, Schwester oder Bruder, Organisator und Organisatorin des gemeinsamen Lebens (Wohnung / Haus in Ordnung halten, einkaufen, reparieren, …), …. Das sind die alten Rollen, die jede und jeder, ohne darüber nachzudenken, spielt. Und wir alle erfüllen, mehr oder minder gut, die Erwartungen, die mit diesen Rollen verbunden sind.

Als Eltern bekommen Mutter und Vater eine Vielzahl von neuen Rollen, denen sie gerecht werden sollen: Spielgefährte, Köchin/Koch, Lehrer /Lehrerin, Begleiter auf dem Weg ins Leben, Erzieher oder Erzieherin, Krankenpfleger oder -schwester, Tröster und Trösterin, Animateur.
Rollen, die man bisher nicht gekannt hat, in die man nicht hat hineinwachsen können.


Die beiden Rollen Spielgefährtin und Hausfrau stehen z. B. oft in direkter Konkurrenz. Als Spielgefährtin möchte man dem Spieltrieb und Entdeckersinn freien Lauf lassen und die Kinder den Inhalt der zufällig offenen Nudelverpackung auf den Boden verteilen lassen. Als Hausfrau ist man froh über die gerade halbwegs aufgeräumte Küche, in der vor 10 Minuten endlich die letzten Krümel vom  Frühstück aufgesaugt wurden.


Versucht pragmatisch zu sein:
Es muss nicht zum Kaffeetrinken ein selbstgemachter Apfelkuchen sein. Es gibt auch leckere eingefrorene Kuchen oder einfache Rührkuchen. Die Gäste kommen nicht wegen des Kuchens sondern um euch und die Kinder zu erleben.
Um Verwandte und Freunde ab und zu auf dem Laufenden zu halten, nutzt einen Mailverteiler oder erstellt eine WhatsApp-Gruppe, in die ihr ab und wann Fotos und Infos stellt. Am besten bereitet schon vor der Geburt dazu alles vor.


Stellt euch vor, jemand würde eine Kamera in die Hand nehmen und die ganze Zeit „auf euch draufhalten“. Ihr wäret die ganze Zeit unter Strom und würdet versuchen euch darzustellen. Ähnlich fühlt es sich vielleicht an, wenn viele Augenpaare, z. B. bei einem Besuch, sich auf die Kinder richten. Gerade wenn zusätzlich ein Kleinkind mit z. B. Mutter zu Besuch kommt, begrüßt euch erst einmal herzlich und stellt euch gegenseitig vor. Wenn die Kinder anfangen miteinander Kontakt aufzunehmen, versucht euch zurückzunehmen und beginnt selbst ein Gespräch unter Erwachsenen, möglichst ohne viel zu den Kindern zu schauen und ohne viel „einzugreifen“.  Eine Zeitlang kann so oft ein ganz freies Spiel unter den Kindern entstehen.


Versucht entspannt zu bleiben. Solange sich die Kinder mit ihrem Verhalten nicht gefährden oder feste Regeln übergehen, müsst ihr nicht einschreiten. Die Kinder müssen sich probieren und alles erkunden. Das ist ihr Naturell. Seit ihr entspannt – überträgt sich das auch auf die Kinder.
In den ersten beiden Kinderjahren ist es oft weniger wichtig was ihr macht, sondern wie und mit welcher Stimmung. Zu viel gutgemeintes „extra“ Kinderprogramm muss dem Nachwuchs nicht unbedingt besser gefallen – gerade wenn dann bei den Eltern noch Streß aufkommt da die eigentliche Hausarbeit liegenbleibt. Versucht die Kinder einzubeziehen, das was ihr macht ist spannend und dran teilhaben dürfen noch viel mehr.


Bei Streitigkeiten mit den Kindern oder auch mit dem Partner, versucht daran zu denken, dass ihr als Eltern Vorbilder für eure Kinder seit. Kinder schauen sich genau an, wie die Eltern mit Stress und Konflikten umgehen. Kinder lernen sehr stark durch Nachahmen und Beobachten. Dadurch eignen sie sich ein Verhaltensrepertoire an, auf das sie in Stresssituationen automatisch zurückgreifen.


Plant nicht zu viel Aktivitäten pro Tag ein. Der Tagesablauf wird durch die Kinder häufig unterbrochen, nebenher zu viel erledigen zu wollen, frustriert beide Seiten. Auch dauert es mit Kindern oft einfach länger, gerade wenn man sie versucht zu beteiligen oder parallel sich erklärt über das, was „Mama“ gerade macht. Ich habe z. B. versucht, nie an einem Vormittag gleichzeitig einzukaufen und das Mittagessen zu kochen. Wenn ich gekocht habe, habe ich gleich für mehrere Tage gekocht, und was übrig blieb, eingefroren.


Setzt Prioritäten. Was ist heute unbedingt zu erledigen? Was wäre schön, ist aber nicht wirklich wichtig? Mir helfen dabei To-Do-Zettel, geschrieben jeweils für den nächsten Tag 🙂


Fangt nach dem ersten turbulenten Wochen wieder an, an euch selbst zu denken. Versucht wieder kleine Freiräume für euch selbst zu schaffen. Tankt eure Akkus auf. Ein Telefonat mit einem guten Freund. Einmal die Woche regelmäßig zu einem Verein oder Sport machen, das fühlt sich erst wie ein großer Luxus an. Aber auch im Kleinen, wenn z. B. der Partner nach Hause kommt, zieht euch regelmäßig für eine kurze Auszeit zurück. Es müssen nicht immer beide Elternteile die Kinder betreuen.


Ja, Väter gehen mit Kindern anders um. Und das ist gut so. Anders ist nicht gleichzusetzen mit schlechter. Ich habe manche Mütter erlebt, die ihren Männern nicht das Wickeln oder das zu Bett bringen zugetraut haben. Daher haben fast ausschließlich sie gewickelt und zu Bett gebracht. Wenn es doch einmal der Vater gemacht hat, war es nicht richtig oder die Kinder haben geschrien. Die Mütter waren dann oft unzufrieden, dass sie angeblich alles machen müssen.
Versucht Variationen im der Umsetzung zu akzeptieren. Auch für die Kinder ist es ein Gewinn, da sie unterschiedlicheres Verhalten erleben.


Ihr habt immer eine gute Ausrede – ihr habt Zwillinge 😉 Nutzt diesen Joker! „Heute morgen waren die Anziehsachen noch sauber“. (stimmt ja auch).


Und wenn euch doch mal der Kragen platzt – erklärt anschließend den Kindern warum ihr euch so aufgeregt habt. „Mama war gerade wütend, weil… .“ Nehmt die Kinder dabei in den Arm. Das hilft beiden Seiten, wieder runter zu kommen. Und die Kinder lernen, dass es auch Konflikte gibt und es anschließend alles wieder gut ist. Fasst es ruhig in Worte: „Jetzt ist alles wieder gut“.

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